Spätestens seit der Veröffentlichung der letzten PISA-Studie, in der Deutschland bezüglich des Wissensstandes der Kinder in Sachen Naturwissenschaften noch immer nicht ausreichend gut abgeschnitten hat, möchte ich an dieser Stelle ein kleines „Phaenomen“, genauer gesagt DAS Phaeno in Wolfsburg erwähnen. Eigentlich wollten wir ja noch mal in die Autostadt (weil die so bekannt sind und so erfolgreich werben). Aber dann guckte der Mann meiner Freundin eher teilnahmslos über seinen wohnzimmerlichen Bildschirm und murmelte nur: geht doch mal ins Phaeno.
Phaeno? Was ist das denn? Nun, wir kommen aus Köln, daher hat es nicht gleich bei mir geklingelt. Aber ein Blick auf die Homepage hat uns schon neugierig gemacht, zumal es ja nicht so leicht ist, Kinder zwischen 10 und 14 Jahren spontan für so genannte Museumsbesuche zu begeistern. Wir Kölner wissen sofort warum…. Ganz zu schweigen von dem schon auf der Site ausgewiesenen Lerneffekt…! Den habe ich meinen Lieben an dieser Stelle wohlwissentlich noch verschwiegen!
Und dann ging die Fragerei auch schon los. Ist das ein Freizeitpart? Kann man da rutschen? Ist das drinnen? Können wir da unsere Playstation mitnehmen? Fragen, Fragen, Fragen…
Um das Wichtigste einfach mal vorweg zu nehmen, es ist eine Mischung aus Museum, Freizeitpark, es ist drinnen und die Playstation ist sogar schon eingebaut. Nur dass es hier nicht beim Knöpfchendrücken bleibt. Optische und akustische Lernstationen sowie sehr kreativ eingerichtete Selbsttest-Stationen mischen sich munter ab. Es ist kein fester Parcours vorgegeben, nirgendwo stehen wachhabende Mitarbeiter mit strengem Blick, hier ist die Neugierde der Führer und darf jeder munter drauflos laufen. Der Umstand, dass alles in bester Großraumbüro-Manier aufgebaut ist, macht es möglich, dass der Nachwuchs jederzeit problemlos per Weitblick zu erspähen ist. Es sei denn, er steckt gerade mitten im „Schiefen Zimmer“ oder tastet sich mit Hilfe seiner Fingerspitzen durch die Dunkelkammer.
Und damit nehme ich gleich noch eines vorweg: das Phaeno ist keinesfalls ein Kindermuseum. Oder zumindest nur dann, wenn man vergessen hat, dass man selbst auch einmal Kind oder und seine Neugierde nur noch auf das Leben der Nachbarn beschränkt hat.
Natürlich ist es erklärter Anspruch, Kindern und Jugendlichen die Faszination von Naturwissenschaften näher zu bringen, aber ich persönlich fand es ebenfalls sehr spannend das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks zu verstehen oder aber das Gebrüll eines Löwen in Form einer mechanischen Rückenmassage zu erleben. Auch habe ich noch nie zuvor auf einem echten Nagelbrett gelegen oder bin blind durch eine Werkstatt, eine Küche oder ein Kinderzimmer getappert. Zumindest lagen in diesem hier keine lästigen Lego-Steine auf dem Boden!
Neben so viel Spürsinn – so heißt die aktuelle Ausstellung – gibt es Abteilungen für elektrische, physikalische, astronomische, optische und sonstige Phaenomene. Und vor allem die Devise: Anfassen bitte! Und das beste: Es wurde immer erklärt was passiert, warum das so ist und in welchem Teil des Lebens die Naturwissenschaft schon einmal zu erleben war (siehe Bermuda-Dreieck!)
(Beinahe) alles einmal ausprobiert, fuhren wir nach vier Stunden intensiven Eindrücken doch sehr schweigsam nach hause. Auch meine Kinder waren sehr still. Ich glaube, das hätte keine Rutsche geschafft. Und die Pizza zwischendurch für 4,50 Euro im Design-Restaurant könnte ich – wäre sie von Köln nicht so weit weg – zur ständigen Institution machen. Köstlich!
Fazit: Ein Erlebnis der besonderen Art und für jedes Kind ab der dritten Klasse ein absolutes Pflichtfach. Schön, wer so etwas in seiner Nähe hat! Und wer in die Nähe kommt, sollte nicht nur in der Autostadt anhalten, obwohl die gleich nebenan ist.
