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Februar 15th, 2009 | Author: Petra

Die kanadische Stadt Montreal wird ihr Marketing-Budget für 2009 ausschließlich online ausgeben. 20 % des Etats wird in Social Media Dienste gesteckt, die zwar wenig kosten, aber personalintensiv sind (z. B. Twitter und Blogs). Eine große Summe wird ins Suchmaschinenmarketing gesteckt.

Ob es wohl in Deutschland auch bald soweit kommt? Obwohl im Jahr 2006 63 % der Deutschen angaben, sich online über Reisen zu informieren, reagieren deutsche Tourismus-Unternehmen nur sehr zögerlich.

Ich recherchiere jede Woche mehrmals auf Webseiten deutscher Destinationen und Freizeitdienstleister (Ferienregionen, Museen, Freizeitparks usw.). Dass mal ein RSS-Feed angeboten wird ist eine absolute Seltenheit. Newsletter werden meistens angeboten, aber man hat fast nie die Möglichkeit, einen Probe-Newsletter einmal anzuschauen, geschweige denn ein ganzes Archiv. Wenn ich sie dann blind abonniere bekomme ich meistens Übernachtungspakete - Informationen, die ich gar nicht brauchen kann.

Da ich derzeit hauptsächlich nach Zielen für Familien suche, erstaunt es mich besonders, dass diese Zielgruppe auf den Websites oft gar nicht explizit angesprochen wird - dabei meine ich, es müsse sich hier um eine recht große Zielgruppe handeln?! Wenn eine Destination dann doch einmal eine Rubrik für Kinder oder Familien auf der Website hat, findet sich manchmal nicht mehr als ein auf Familien spezialisiertes Hotel mit Streichelzoo, ein Tierpark und ein Indoor-Spielplatz. Dagegen war ich noch nie irgendwo im Urlaub, ohne vor Ort eine Riesensammlung von Prospekten und Faltblättern zu unzähligen Ausflugszielen gefunden zu haben, von denen meiner Schätzung nach mindestens zwei Drittel auch kindertauglich sind. Warum gibt’s das denn nicht im Netz?

Während also Montreal nur noch online Marketing betreibt und in Österreich diverse Destinationen und Hoteliers bloggen und twittern, werden in Deutschland die allermeisten Blogs zum Thema Reise/Tourismus/Freizeit von Privatpersonen geschrieben. In den Top 100 Firmenblogs ist zur Zeit nur ein einziges aus dem Bereich Tourismus vertreten.

Die deutschen Tourismus-Regionen stellen Websites ins Netz, die einander aufs Haar gleichen, oft nur minimale Informationen anbieten, neue Techniken übersehen (naja, RSS-Feeds gibts jetzt auch schon ein paar Jährchen, so neu sind die gar nicht!)  und unglaublich selten aktualisiert werden. Weder hat man den Eindruck, dass sie auf eine bestimmte Zielgruppe hin erarbeitet wurden, noch dass sie suchmaschinenoptimiert sind. Sie sind Stiefkinder, die nur in Auftrag gegeben wurden, weil man ja irgendwie im Internet vertreten sein muss.